Wirkungsweise
Bei einer Blutmahlzeit werden vom Egel (Ringelwurm) ungefähr 10ml Blut aufgenommen. Durch das im Speichel enthaltene Hirudin (ein blutgerinnungshemmendes Mittel) blutet die Wunde 2-20 Stunden nach, wobei nochmals ungefähr 40-50ml Blut ausgeleitet werden können. Das Hirudin wird vom Blutegel an den Wirt abgegeben, damit das Blut während des Saugaktes nicht gerinnt, und er so das benötigte Blut entnehmen kann.
Blutegel haben eine entstauende, krampflösende, entzündungswidrige und blutreinigende Wirkung. Im Speichel sind neben dem Hirudin noch weitere Blutegelwirkstoffe enthalten. Sie haben eine durchblutungsfördernde, antibiotische und schmerzlindernde Wirkung. Beides zusammen, die Blutentnahme durch den Egel und die Abgabe der gerinnungshemmenden Stoffe, führt dazu, dass das Blut des Patienten wieder leichter und schneller fließen kann, so der Blutstau beseitigt wird und vorhandene Abbaustoffe ausgeleitet werden können.
Indikationen
Venöse Erkrankungen ( Varizen, Thrombophlebitis)
Gesichtfurunkel
Infizierte Insektenstiche
Hämorrhoiden
Gicht
Gelenkarthrosen
Grauer und grüner Star
Netzhautblutungen
Mittelohrentzündung
Behandlungsablauf
Die Egel (je nach Behandlung bis zu 10 Tiere) werden auf die gewünschten Stellen direkt angesetzt. Nach Beendigung des Saugaktes (ca. 30-90 min) fällt der Blutegel von selbst ab. Der Patient verbleibt jetzt noch für etwa vier Stunden auf der Liege. Danach wird die behandelte Extremität mit einer großen Menge Watte umwickelt, damit die Nachblutung aufgenommen werden kann. Diese Watte wird mit einer Binde fixiert. Nach 24 Stunden wird der Verband gewechselt. Auch nach dieser Zeit ist die Blutung oft noch nicht ganz zum Stillstand gekommen. Auf die noch blutenden Stellen wird blutungsstillende Watte aufgebracht und mit einem Pflaster erneut verbunden.
Gefahren
Es kann zu allergischen Reaktionen kommen. Zudem kann der Patient eine Kreislaufschwäche durch Anblick der saugenden Egel oder des Blutes bekommen.